Kapitel 2 - Chaos
Chaos. „Alle Passagiere des Fluges LH 2700 nach Peking werden zum Boarding gebeten“ klingt es aus den hoch oben schwebenden Lautsprechern. Eine studentische Aushilfe versucht Ordnung in diese wirre Ansammlung Flugreisender zu bringen, die so bunt gemischt sind wie eine Mannerschnitte. Der schokoladige Touristenteil drängt in Richtung Passkontrolle, nur hin und wieder durchzogen von einer Keksschicht Geschäftsreisender, deren Anzüge krampfhaft versuchen ihre geträumte Autorität darzustellen und ihnen einen schnellen Weg zu den mit der Financial Times bewaffneten Stewardessen zu bahnen. In der zollfreien Zone gibt es wohl einen Aldi, denn in der Schlange vor der Gepäckkontrolle sieht es aus, als ob die neue Terassenstuhlkollektion soeben rausgekommen ist.
Damit ich nicht meine Nagelschere benutze und das Flugzeug kapere und mit diesem in meine alte Schule fliege, um gegen die hoffentlich nicht ganz hoffnungslose Reform des Bildungssystems zu protestieren, wird mir diese mit einem breiten Grinsen der Flughafenangestellten abgenommen.
Früher hatte man eine Nagelschere fürs Leben, Heute wurden diese in China hergestellt, nach Europa geflogen und dort verkauft, um sie dann vor einem Flug nach China der Lufthansa zu schenken. Wenigstens wären die Scheren aufgrund des großen Angebots der Flughafenauktionen bald billiger als in Asien.
Der kleine Junge vor mir musste sein Taschenmesser nicht abgeben; er war noch zu jung um zu hassen. Deshalb grinste er auch nur schelmisch auf meine schmutzigen Fingernägel, als mein Nageletui seinen Weg in die Hände des Sicherheitsdienstes nahm.
Jetzt wurde mein Laptop auf Plastiksprengstoff durchleuchtet, ich sah wohl zu arabisch aus mit meinen schwarzen Haaren und dem Bart.
Wenn in jedem Laptop eine Ladung Sprengstoff wäre die man zentral zünden könnte, so könnte man auf einen Schlag eine Gleichverteilung von Arm und Reich herstellen, denn die Oberschicht hatte schon Telefone, mit denen man alles machen konnte und die Unterschicht musste noch ihr Gehirn benutzen.
Nur um den Auslöser zu drücken, bräuchte man leider ein Handy, kein Gehirn!

